Erste europäische Gebärdensprach-Universität

17.01.2011 – (dpa) – Gehörlose wollen eine eigene Universität gründen und zwar im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach. Sie wäre die erste in Europa und die zweite Hochschule dieser Art weltweit. Bislang kann man nur in den Vereinigten Staaten an der Gallaudet University in Washington, D.C., in der Gebärdensprache studieren.

„Mit dieser Universität können wir den Gehörlosen neue akademische und berufliche Chancen eröffnen“, sagt Ingo Barth. Er ist der Vorsitzende des Trägervereins „Gesellschaft der Europäischen Gebärdensprach-Universität Bad Kreuznach“, der sich im Juni 2010 gegründet hat und nun Spenden sammelt. Etwa 100 Millionen Euro werden benötigt.

Eröffnen soll die neue Uni im Jahr 2013. Im ersten Schritt wird es eine private Spezialuniversität sein, Ziel sei aber die Verstaatlichung und europäische Anerkennung.

Sowohl taube als auch hörende Studenten, Dozenten und sonstige Mitarbeiter sollen in Bad Kreuznach studieren, lehren und arbeiten – eines ist ihnen allen gemeinsam: das Benutzen der Deutschen Gebärdensprache.

Beginnen soll es mit etwa 300 Studenten. Die Kapazitäten reichen im Idealfall für bis zu 2000 Studienplätze – ähnlich wie in Washington. „Gehörlose Studenten sind aktuell auf Gebärdensprachdolmetscher angewiesen. Diese zu organisieren, ist kein leichtes Unterfangen“, beschreibt Andreas Bittner vom Deutschen Gehörlosen-Bund in Berlin den hohen Aufwand parallel zum Studium. Daher begrüßt der Verband die Einrichtung einer Gebärdensprach-Universität und ist selbst eines der Gründungsmitglieder des Trägervereins.

Entstehen soll die neue Bildungsstätte auf einer ehemaligen amerikanischen Militärbasis. „Hier stehen bereits Gebäude, die aber renoviert werden müssen“, erklärt der 34-jährige Barth, der selbst gehörlos ist. Weitere Bauten auf dem acht Hektar großen Gelände wie ein Theater, eine Bibliothek und Gebäude für Lehre und Forschung seien geplant. „Unser erstes Ziel ist es, zwei Millionen Euro zu sammeln, um das gesamte Grundstück zu reservieren. Davon sind erst spärliche 20 000 Euro vorhanden“, erklärt der Berliner, der theoretischer Chemiker und Physiker an einem Max-Planck-Institut ist. Das gesamte Gelände koste zwischen sieben und acht Millionen Euro.

Angeboten werden sollen alle Fächer von Jura bis zur Tiermedizin. Erst als Bachelor-Studiengang, später auch als Master. „Wir planen, mit mindestens zwei Fakultäten zu starten, darunter Sprach- und Sozialwissenschaften „, erklärt Barth.

Doch die Planungen reichen noch weiter: „Es soll ein Sign-Language Zentrum geben, an dem Gebärdensprachen gelehrt werden. Ideal wäre auch ein Media Zentrum, das Sendungen in Gebärdensprache ausstrahlt. “ Derzeit gibt es nach Schätzungen von Barth und dem Deutschen Gehörlosen-Bund etwa 100 gehörlose Studenten in Deutschland.

Janina Plato (dpa-Dossier Bildung Forschung 03/17.01.2011)

bildungsklick.de – Erste europäische Gebärdensprach-Universität – Druckversion

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