Erste europäische Gebärdensprach-Universität

17.01.2011 – (dpa) – Gehörlose wollen eine eigene Universität gründen und zwar im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach. Sie wäre die erste in Europa und die zweite Hochschule dieser Art weltweit. Bislang kann man nur in den Vereinigten Staaten an der Gallaudet University in Washington, D.C., in der Gebärdensprache studieren.

„Mit dieser Universität können wir den Gehörlosen neue akademische und berufliche Chancen eröffnen“, sagt Ingo Barth. Er ist der Vorsitzende des Trägervereins „Gesellschaft der Europäischen Gebärdensprach-Universität Bad Kreuznach“, der sich im Juni 2010 gegründet hat und nun Spenden sammelt. Etwa 100 Millionen Euro werden benötigt.

Eröffnen soll die neue Uni im Jahr 2013. Im ersten Schritt wird es eine private Spezialuniversität sein, Ziel sei aber die Verstaatlichung und europäische Anerkennung.

Sowohl taube als auch hörende Studenten, Dozenten und sonstige Mitarbeiter sollen in Bad Kreuznach studieren, lehren und arbeiten – eines ist ihnen allen gemeinsam: das Benutzen der Deutschen Gebärdensprache.

Beginnen soll es mit etwa 300 Studenten. Die Kapazitäten reichen im Idealfall für bis zu 2000 Studienplätze – ähnlich wie in Washington. „Gehörlose Studenten sind aktuell auf Gebärdensprachdolmetscher angewiesen. Diese zu organisieren, ist kein leichtes Unterfangen“, beschreibt Andreas Bittner vom Deutschen Gehörlosen-Bund in Berlin den hohen Aufwand parallel zum Studium. Daher begrüßt der Verband die Einrichtung einer Gebärdensprach-Universität und ist selbst eines der Gründungsmitglieder des Trägervereins.

Entstehen soll die neue Bildungsstätte auf einer ehemaligen amerikanischen Militärbasis. „Hier stehen bereits Gebäude, die aber renoviert werden müssen“, erklärt der 34-jährige Barth, der selbst gehörlos ist. Weitere Bauten auf dem acht Hektar großen Gelände wie ein Theater, eine Bibliothek und Gebäude für Lehre und Forschung seien geplant. „Unser erstes Ziel ist es, zwei Millionen Euro zu sammeln, um das gesamte Grundstück zu reservieren. Davon sind erst spärliche 20 000 Euro vorhanden“, erklärt der Berliner, der theoretischer Chemiker und Physiker an einem Max-Planck-Institut ist. Das gesamte Gelände koste zwischen sieben und acht Millionen Euro.

Angeboten werden sollen alle Fächer von Jura bis zur Tiermedizin. Erst als Bachelor-Studiengang, später auch als Master. „Wir planen, mit mindestens zwei Fakultäten zu starten, darunter Sprach- und Sozialwissenschaften „, erklärt Barth.

Doch die Planungen reichen noch weiter: „Es soll ein Sign-Language Zentrum geben, an dem Gebärdensprachen gelehrt werden. Ideal wäre auch ein Media Zentrum, das Sendungen in Gebärdensprache ausstrahlt. “ Derzeit gibt es nach Schätzungen von Barth und dem Deutschen Gehörlosen-Bund etwa 100 gehörlose Studenten in Deutschland.

Janina Plato (dpa-Dossier Bildung Forschung 03/17.01.2011)

bildungsklick.de – Erste europäische Gebärdensprach-Universität – Druckversion

SWR: Rheinland-Pfalz Aktuell, 10.11.2010, 18 Uhr, mit UT!

Stilles Studium (Spiegel Online)

21. Dezember 2010, 17:40 Uhr

Gebärdensprach-Universität

Stilles Studium

Für Gehörlose ist ein Studium enorm aufwendig: Sie sind in Seminaren auf Dolmetscher und möglichst genaue Mitschriften angewiesen. In Bad Kreuznach soll 2013 die weltweit zweite Uni eröffnen, an der nur in Gebärdensprache kommuniziert wird. Die Pläne sind ambitioniert – doch es fehlt noch an Geld.

Eine Uni-Vorlesung ohne fiependes Mikrofon und laut tuschelnde Kommilitonen – ab 2013 könnte das im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach Wirklichkeit werden. Dort soll eine Hochschule für Gehörlose eröffnen, an der in Gebärdensprache kommuniziert wird.

Die „Europäische Gebärdensprach-Universität Bad Kreuznach“ wäre die erste in ganz Europa und die zweite Hochschule dieser Art weltweit. Bislang kann man nur in den Vereinigten Staaten an der Gallaudet University in Washington, D.C., in der Gebärdensprache studieren.

„Mit dieser Universität können wir den Gehörlosen neue akademische und berufliche Chancen eröffnen“, sagt Ingo Barth. Er ist der Vorsitzende des Trägervereins „Gesellschaft der Europäischen Gebärdensprach-Universität Bad Kreuznach“. Der Verein wurde im Juni 2010 gegründet und ist zuständig für das Sammeln der Geldspenden, mit denen die Universität finanziert werden soll.

Insgesamt werden rund 100 Millionen Euro benötigt. „Unser erstes Ziel ist es, zwei Millionen Euro zu sammeln, um das gesamte Grundstück zu reservieren. Davon sind erst spärliche 20.000 Euro vorhanden“, erklärt Barth, der Chemiker und Physiker am Max-Planck-Institut ist. Das gesamte Gelände koste zwischen sieben und acht Millionen Euro. Neben Spenden hofft der Trägerverein auf öffentliche Fördergelder von Bildungsministerien aus Rheinland-Pfalz, der Bundesrepublik und der Europäischen Union.

Eröffnen soll die neue Uni im Jahr 2013. Im ersten Schritt wird es eine private Spezialuniversität sein, Ziel sei aber die Verstaatlichung und europäische Anerkennung. Sowohl taube als auch hörende Studenten, Dozenten und Mitarbeiter sollen in Bad Kreuznach studieren, lehren und arbeiten. Eines ist ihnen jedoch allen gemeinsam: das Benutzen der Deutschen Gebärdensprache (DGS). Beginnen soll es mit rund 300 Studenten. Die Kapazitäten reichen im Idealfall jedoch für bis zu 2000 Studienplätze, ähnlich wie in Washington.

Endlich ohne Dolmetscher in die Uni

„Gehörlose Studenten sind aktuell auf Gebärdensprachdolmetscher angewiesen. Diese zu organisieren ist kein leichtes Unterfangen“, beschreibt Andreas Bittner vom Deutschen Gehörlosen-Bund in Berlin den hohen Aufwand parallel zum Studium. Für eine Seminarstunde mit Referat und Gruppendiskussion unter Hörenden braucht ein Gehörloser Dolmetscher und Mitschreibkräfte. Die wären an der Gebärdensprach-Universität nicht mehr nötig.

Entstehen soll die neue Bildungsstätte auf einer ehemaligen amerikanischen Militärbasis. „Hier stehen bereits Gebäude, die aber renoviert werden müssen“, erklärt der 34-jährige Vorsitzende des Trägervereins. Weitere Bauten auf dem acht Hektar großen Gelände wie ein Theater, eine Bibliothek und Gebäude für Lehre und Forschung seien geplant.

Auf lange Sicht möchte der Vorstand des Fördervereins ein barrierefreies gemeinsames Studieren von Hörenden und Gehörlosen ermöglichen. Doch warum ausgerechnet in Bad Kreuznach, der Kurstadt mit knapp 45.000 Einwohnern? „Zum einen gibt es den politischen Willen von Stadt und Landkreis, das Projekt zu unterstützen“, so Barth.

Ein weiterer Pluspunkt sei das Grundstück mit genügend Fläche und den bereits bestehenden Gebäuden. Doch der gebürtige Leipziger sieht noch einen weiteren Vorteil: „Bad Kreuznach liegt sehr zentral in Deutschland und auch in Europa.“

Freie Fächerwahl für gehörlose Studenten

Angeboten werden sollen alle Fächer von Jura bis zur Tiermedizin, erst als Bachelor-Studiengang, später auch als Master. „Wir planen, mit mindestens zwei Fakultäten zu starten, darunter Sprach- und Sozialwissenschaften“, erklärt Barth. Doch die Planungen reichen noch weiter: „Es soll ein Sign-Language Zentrum geben, an dem Gebärdensprachen gelehrt werden. Ideal wäre auch ein Media Zentrum, das Sendungen in Gebärdensprache ausstrahlt.“

Derzeit gibt es nach Schätzungen von Ingo Barth und dem Deutschen Gehörlosen-Bund rund 100 gehörlose Studenten in Deutschland. Eine von ihnen ist Liona Paulus. Sie studiert Buchwissenschaften, Portugiesisch und Kunstgeschichte an der Johannes Gutenberg- Universität in Mainz.

Eine eigene Uni fände die 26-Jährige prinzipiell gut. „Wir Gebärdensprachler hätten dort eine gemeinsame Kommunikations- und Kulturebene, die wir uneingeschränkt ausleben können“, erklärt die gebürtige Würzburgerin. Außerdem glaubt sie, dass der wissenschaftliche Dialog und die Entwicklung der eigenen Identität enorm bereichert werden könnten.

Beruflich möchte sie nach ihrem Studium mit oder für Gehörlose arbeiten. Ein klassischer Weg, wie Barth erklärt: „Taube Absolventen unterrichten derzeit vor allem als Gebärdensprachlehrer an speziellen Schulen.“ In Deutschland sind Karrieren wie die der gehörlosen Rechtsanwältin Judith Hartmann bisher die Ausnahme.

Barth will die Zukunftsaussichten Gehörloser mit der Gebärdensprach-Universität verbessern: „In Amerika gibt es schon taube Professoren, Ärzte, Staatsanwälte, Filmdozenten, Pfarrer und Rechtsanwälte. Das wollen wir auch in Europa erreichen.“

Von Janina Plato, dpa

URL: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,736012,00.html

Artikel als PDF -> Link

Presseinformation (22.11.2010)

Presseinformation als PDF

Barrierefreies Studieren für Gehörlose in Sicht
Neu gewählter Beirat der Europäischen Gebärdensprach-Universität
forciert Engagement für die Etablierung in Bad Kreuznach

Die Informationstage zur Etablierung einer Europäischen Gebärdensprach-Universität in Bad Kreuznach am vergangenen Wochenende trafen auf eine gute Resonanz. Zahlreiche am Projekt Interessierte aus ganz Deutschland, Gehörlose, wie auch Hörende, nahmen aus unterschiedlichster Motivation die Gelegenheit wahr, bei einem Rundgang auf dem potentiellen Universitätsgelände sich den zukünftigen Campus anzusehen. Im Anschluss wurden bei einer Informationsveranstaltung Fragen zum Projekt beantwortet und am Abend zeigte ein Benefizkonzert der Initiative Sense our Possibilities (SOPOS), wie Musik und Performance aussehen können, die für Hörende wie Gehörlose zugänglich ist.

Wichtiger Punkt auf der Tagesordnung der Gesellschaft der Europäischen Gebärdensprach-Universität war die Wahl eines Beirates, dem drei wichtige Aufgabenbereiche zukommen: 1. Das zur Finanzierung notwendige Grundkapital zusammenbringen (Spenden sammeln, Unternehmen gewinnen, Fördergelder auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene eruieren) 2. Die Schaffung der universitären Voraussetzungen (Akkreditierung und staatliche Zulassung, Struktur der Fakultäten, etc.) sowie 3. Eine Ausarbeitung des Gebäude- und Campus-Konzeptes und insbesondere der notwendigen Bau- und Umbauarbeiten.

Die sieben zunächst gewählten Beiratsmitglieder sind: Vorsitzende: Irmhild Rogalla (schwerhörig, Berlin, Leiterin Institut für praktische Interdisziplinarität); Stellvertreter: Sören Gericke (gehörlos, München, Pädagoge Didaktik), Bernhard Ludwig-Schugmann (schwerhörig, Bauzeichner, -techniker, Verwaltungsfachangestellter); Mitglieder: Deutscher Gehörlosen-Bund e.V., vertreten durch die Vizepräsidentin Christine Linnartz (gehörlos, Wuppertal), Bundeselternverband gehörloser Kinder e.V., vertreten durch die Schatzmeisterin Marliese Latuske (hörend, Dortmund), Johannes Storz (hörend, Neritz, Dipl.-Kaufmann, Unternehmer), Jürgen Koch (hörend, Westerholz, Dipl.-Ing., Büro für Projektentwicklung). Dieser bereits sehr breit und vielfältig aufgestellte Beirat wird noch auf 15 Personen ergänzt unter Berücksichtigung der für die diversen Aufgabengebiete benötigten Kompetenzen.

Dringlichste Aufgabe des Vorstandes ist für die nahe Zukunft, insbesondere die Politik für dieses einzigartige Projekt zu sensibilisieren, damit endlich ein barrierefreies gemeinsames Studieren von Hörenden und Gehörlosen durch Inklusion ermöglicht und damit unter anderem der Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention (2008) „Niemand darf vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden“ par excellence umgesetzt werden kann.

– Hinsichtlich der Bildungspolitik wird Unterstützung benötigt für die Zulassung und Etablierung der Universität sowie zur Förderung der Chancengleichheit und Realisierung der Inklusion

– Hinsichtlich der Arbeitsmarktpolitik erhofft man sich Unterstützung, da selbst gut ausgebildete Gehörlose keinen Arbeitsplatz finden und die Sozialversicherungen als Unterstützungsempfänger belasten.

– Auch wirtschaftspolitisch ist Engagement gefragt, da eine Universität am Standort Bad Kreuznach eine große Chance für Stadt, Region und Land bietet.

Dr. Ingo Barth, Vorsitzender des Vorstands: „Unser Projekt Europäische Gebärdensprach-Universität ist einmalig für Europa. Es wird endlich die Anerkennung und Gleichstellung von Hörenden und Gehörlosen in der Hochschulbildung ermöglichen. Nun ist es wichtig, dass die Stadt Bad Kreuznach den General Rose Gewerbepark mittelfristig für das Projekt reserviert und Geduld zeigt. Wir wissen, dass wir einen langen Atem zur Realisierung des Projekts benötigen, aber gleichermaßen sind wir überzeugt, dass die Idee nicht an Schwung verlieren wird – im Gegenteil – wir stehen in den Startlöchern.“

Gebärdensprachlern fehlt das Geld

Artikel aus „Allgemeine Zeitung“

Gebärdensprachlern fehlt das Geld
22.11.2010 – BAD KREUZNACH

Von Beate Vogt-Gladigau

UNIVERSITÄTSPROJEKT Tagung klärt weitere Schritte auf Weg für europaweit einzigartiges akademisches Angebot

Dr. Ingo Barth ist der erste Gehörlose mit einem Doktortitel in Chemie (FU Berlin). Der Vorsitzende der Gesellschaft der Europäischen Gebärdensprach-Universität Bad Kreuznach, die erst vor wenigen Wochen in das Vereinsregister eingetragen wurde, kennt die Probleme tauber Studenten, die auf Gebärdendolmetscher angewiesen sind, aus eigener Erfahrung.

Rund einhundert gehörlose Studierende gibt es in Deutschland. „Viele vielversprechende Leute haben ihr Studium abgebrochen“, so Dr. Barth. Auch er musste sich „durchkämpfen“. Gleiche Chancen sollen Taube und Hörende, die bereit sind, Gebärdensprache in Vorbereitungskursen zu erlernen, auf der geplanten Universität in der Nahestadt haben, auf der in deutscher Gebärdensprache (DGS) kommuniziert wird. Dies gilt für alle Beteiligten: Dozenten, Referenten, Mitarbeiter und Studenten. Auf Gebärdensprachdolmetscher kann dann verzichtet werden.

Für Immobilien-Geschäft fehlen zwei Millionen Euro

Im Sinne der Inklusion nach der UN-Behindertenrechtskonvention soll eine akademische Ausbildung ermöglicht werden. Auch eine gymnasiale Oberstufe ist geplant, damit taube Schulabgänger und Fachabiturienten die allgemeine Hochschulreife erlangen können.

Bei einer Tagung am Wochenende in Bad Kreuznach berichtete Barth über die aktuelle Situation im Blick auf die Gebärdensprach-Uni. Die ersten Gedanken sind erst ein Jahr alt, haben sich schnell weiterentwickelt, 40 Mitglieder (Einzelpersonen und Institutionen) konnten gewonnen und Kontakte zu Politikern in der Stadt, im Kreis oder auch im Land geknüpft werden.

Den ursprünglichen Zeitplan, bis Januar 2011 zwei Millionen Euro als Anzahlung zur Reservierung für Gelände und Gebäude im Gewerbepark General Rose aufzubringen, musste der Verein aber als unrealistisch erkennen. Der Druck, die BKEG (Bad Kreuznacher Entwicklungsgesellschaft) könnte die Gebäude früher verkaufen, besteht weiter. Das Versprechen, bei anderen Interessierten werde man den Verein informieren, betrachtet Barth als Hilfe. Oberbürgermeister An- dreas Ludwig konnte seinerseits auch keine konkrete Unterstützung zusichern, da die Stadt nur zu einem Drittel an der BKEG beteiligt ist. Er empfahl den Verantwortlichen aber, zunächst das Profil der neuen Uni zu entwickeln und eine Zulassung zu erwirken. Für den 1. Dezember ist ein erstes Gespräch mit dem Mainzer Kultusministerium terminiert, um die Konditionen für eine Zulassung abzuklopfen – und das politische Interesse in der Landeshauptstadt an der Idee für eine Gebärdensprach-Uni, die auch Vorstandsmitglied Carsten Pörksen als „toll und bestechend“ bewertet, abzuklopfen.

„Aber allein wegen der Idee werden die Leute ihre Schatulle nicht öffnen.“ Eine Zulassung, die in etwa drei Jahren durchgesetzt werden könnte (bei einer beschränkten Zahl von Fächern und Studiengängen), wäre ein Signal für Investoren aus Industrie und Wirtschaft oder für Private, sich einzuklinken.

Sponsoren-Suche in ganz Europa

Beiratsmitglied Johannes Storz vertrat allerdings die Meinung, parallel zu den Zulassungsverhandlungen europaweit nach Sponsoren zu suchen und „Bereitschaftserklärungen“ von europäischen Konzernen zu erhalten. Bei einer Beiratssitzung im Dezember soll eine Agenda über das weitere Vorgehen erarbeitet werden.

Im Finanzierungsplan stehen weitere zwei Millionen Euro zur Renovierung der fünf denkmalgeschützten Gebäude. Bis das komplette Konzept mit allen Vorhaben für eine barrierefreie Universität – auch für Rollstuhlfahrer und Blinde – im Laufe der Jahre umgesetzt ist, dürften hundert Millionen Euro gebraucht werden. An den Start gehen soll das für Europa einzigartige Projekt als private Uni mit Studiengebühren. Langfristig soll die Einrichtung mit dem Standort Bad Kreuznach als „Nabel“ zum europäischen Ausland staatlich anerkannt werden.

Für dieses Ziel braucht es starke Schultern aus der Wirtschaft oder aus Stiftungstöpfen – nicht nur aus Deutschland, sondern aus der Europäischen Union mit ihren 27 Mitgliedsstaaten.

Am Wochenende konstituierte sich auch der Beirat für die Gebärdensprach-Uni (siehe Kasten). Wie schon der Vorstand setzt er sich aus tauben und hörenden Vertretern zusammen. Zur Vorsitzenden wurde Irmhild Rogalla aus Berlin gewählt. Die Schwerhörige ist Leiterin eines Instituts für praktische Interdisziplinarität. Ihre sechs Kolleginnen und Kollegen vertreten gleichzeitig auch verschiedene Kompetenzen. Das ist nicht nur bei der Sponsorensuche entscheidend, sondern auch für die notwendigen Renovierungs- und Bauvorhaben, um einen Campus zu entwickeln, wie Pressereferentin Hilke Nagel betonte, und für Aktivitäten auf dem politischen Parkett. Denn auch der Arbeitsmarkt soll auf gehörlose Akademiker vorbereitet werden.

Neuer Filmbeitrag auf SWR ausgestrahlt / New broadcasting telecasted on SWR

Der Filmbeitrag über unsere Pläne der Gebärdensprach-Universität in Bad Kreuznach wurde am 20.11.2010 in der Nachrichtensendung „rp-aktuell“ auf SWR ausgestrahlt. Dieser Filmbeitrag kann nur noch bis 27. November auf der SWR-Homepage abgerufen werden. Hier ist der Link.

The broadcasting of our Sign Language University Bad Kreuznach was telecasted on November 20, 2010 under the programme “rp-aktuell” on SWR. You can see this broadcasting up until November 27 on the SWR homepage. Here is the link.

Hier ist der deutsche Text zum Film (mit dem herzlichen Dank an SWR):

Anmoderation:
In Deutschland gibt es circa 80-tausend Menschen, die nichts oder sehr wenig hören. Aber die einzige Universität für Gehörlose weltweit gibt es in den USA. Vielleicht könnte bald die erste europäische Gebärdensprach-Uni in Bad Kreuznach entstehen. Hier sollen dann taube, schwerhörige und hörende Studenten einen Abschluss machen können. Die Planungen laufen, es fehlen nur noch Sponsoren.

Beitrag:
Einer Vorlesung an einer ganz normalen Universität folgen – für Gehörlose ist das auch mit Gebärdensprachdolmetscher extrem schwierig. In Bad Kreuznach soll deshalb die erste europäische Gebärdensprach-Uni entstehen – auf diesem ehemaligen Militärgelände. Einen Gründungsverein gibt es bereits, erste Pläne sind fertig – was fehlt sind für den Anfang acht Millionen Euro.

Dr. Ingo Barth: „Wir werden auf Firmen zugehen und Spendenaufrufe machen, damit sich dieses Vorhaben entwickeln kann. Wir haben einen Beirat gewählt, wir arbeiten am Konzept und wir werden an verschiedene Träger, Stiftungen und andere Quellen herangehen, wo Geld gesammelt werden kann.“

Großzügige Sponsoren müssen also her. Deshalb zeigten die Initiatoren das Gelände heute möglichen Studenten und vor allem Geldgebern.

Marlies Latuske (Bundeselternverband gehörloser Kinder e.V.): „Vernetzung ist ein wichtiger Punkt. Unsere Gruppe ist klein, aber es gibt starke Organisationen. Gemeinsam ist man stark.“

Jürgen Koch (Capito-IT): „Ich denke schon, daß Bad Kreuznach geeignet ist. Einen Campus auf diesem Gelände würde ich mir sehr nett vorstellen.“

Besonders wichtig ist Initiatoren und Geldgebern, daß in Bad Kreuznach Gehörlose und Hörende gemeinsam studieren sollen. Und das schon in drei Jahren. Wenn genug Geld zusammenkommt.

Gebärdensprach-Uni Chance für Stadt

Artikel aus „Allgemeine Zeitung“

Gebärdensprach-Uni Chance für Stadt
(Leider ist im Titel des Zeitungsartikels ein Schreibfehler , in diesem steht im Titel „Gehörlosen“-Uni, richtig muss es heissen natürlich wie oben)

16.11.2010 – BAD KREUZNACH

Von Beate Vogt-Gladigau

BILDUNG Unterstützer der neu gegründeten Gesellschaft in den Mittelpunkt gerückt

Die Gesellschaft der Europäischen Gebärdensprach-Universität in Bad Kreuznach wurde vor fünf Monaten im Markuszentrum gegründet. An diesen Ort hatte Elfi Decker-Huppert, Mitglied in der Gesellschaft, gestern auch zu einem Pressegespräch eingeladen, bei der Menschen im Mittelpunkt standen, die die Gründung dieser Gesellschaft bisher grosszügig unterstützten. Das Markuszentrum ist aber gleichzeitig seit 25 Jahren ein Anker, der auf Hörbehinderte und Taube sensibel und durch praktische Hilfe eingeht. Mimi Clausen vom Vorstand der Gesellschaft erinnerte daran, dass viele Bewegungen wie die für Frieden in Kirchen begannen.

Danke sagten Decker-Huppert und Clausen Oliver Riedle. Der Direktor des Hotels Caravelle am Park stellt Übernachtungsmöglichkeiten für Mitglieder und Vorstand zur Verfügung, sponsert das SOPOS-Benefizkonzert (Sense Our POSsibilities) am Samstag und spendete zusätzlich 3 000 Euro.

Es sei sein Anliegen, den Mitgliedern Hotelzimmer in der Nahestadt zur Verfügung zu stellen. Vorsitzender Dr. Ingo Barth beispielsweise lebt in Berlin oder sein erster Stellvertreter Patrick Hennings in Hamburg. Für die Gebärdensprach-Universität setzt sich Riedle ein, denn je runder und breiter gefächert das Angebot in Bad Kreuznach ist, desto positiver ist auch der Eindruck für Gäste. Die Etablierung der Uni für Gehörlose und Hörende im Gewerbepark General Rose betrachtet er auch als Chance für die Entwicklung von Kreuznach.

„Gebärdensprach-Dolmetscher sind teuer“, so Mimi Clausen. Aber ohne diese Übersetzung von hörbaren Worten in Gebärden wäre der Verständigungsprozess noch nicht so weit gediehen wie jetzt.

Die Gewobau mit Geschäftsführer Karl-Heinz Seeger unterstützte die Finanzierung. Als städtische Gesellschaft interessiere man sich auch für Prozesse in der Stadt. Diese Universität stehe dem Gesundheitsstandort „gut zu Gesicht“. Außerdem engagiere sich die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft auch für Menschen mit Behinderungen. Davon sei die Gewobau betroffen, „denn die Gebärdensprach-Universität wird viele Leute anziehen“.

Nicht nur die Johannes-Kirchengemeinde mit dem Markuszentrum unterstützen die Schritte zur Universität durch Räumlichkeiten oder Dietmar Canis, einer der Geschäftsführer der Bad Kreuznacher Entwicklungsgesellschaft (BKEG), sondern auch Dr. Michael Vesper, Geschäftsführer von Gesundheit und Tourismus (GuT). Begeistert ist Mimi Clausen vom Einsatz, den Peter Anheuser zeigt. Er fährt auch mal „kurz“ nach Berlin oder holt Fluggäste vom Flughafen ab.

Als „bestechend“ beschreibt Mimi Clausen voller Enthusiasmus das Konzept für die Europäische Gebärdensprach-Universität in Bad Kreuznach, die nach ihrer Realisierung weltweit die zweite neben der 1864 gegründeten Gallaudet-Uni in Washington, USA, wäre. Während in Washington nur über amerikanische Gebärdensprache kommuniziert wird, soll in Kreuznach ein Gebärdensprachzentrum auch mit serbischen oder mexikanischen Modulen ausgestattet sein. Außerdem ist ein Medienzentrum mit Gebärdensprachen-Übersetzungen geplant, das 24 Stunden am Tag in Betrieb ist. Und: Die Bachelor-Abschlüsse sind kombiniert mit einer Gebärdensprach-Qualifikation, die bei internationalen Institutionen gefragt sind.

TERMIN

Bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung am Samstag, 20. November, von 16.30 bis 18.30 Uhr im Seminarraum im Haus des Gastes können sich alle Interessierten näher informieren. Diese Veranstaltung wie auch das SOPOS-Benefizkonzert am gleichen Abend um 20 Uhr im Luthersaal der Stiftung kreuznacher diakonie werden in deutscher Gebärdensprache und deutscher Lautsprache gedolmetscht.